Aus der Praxis
Der Mensch denkt, Gott lenkt oder so ähnlich: Wir wollten das Projekt längst abgeschlossen haben. Aber es ergaben sich immer wieder Veränderungen die unsere Terminplanung über den Haufen warfen. Sei es, daß das Geld fehlte, oder einfach neue Arbeitsaspekte, die wir berücksichtigen wollten. Z.B. diskutierten wir die Nähe zum Original: Wollten wir die Zeitschrift als reines Informationsmittel zur Zeitgeschichte betrachten oder sie als Gesamtkunstwerk darstellen.
Auf jeden Fall wollen wir einen großen Leserkreis erreichen. Also kam nur Beides infrage. Das bedeutete aber einen erheblichen Leseaufwand, um Fehler zu entdecken: Einerseits die neuen Fehler, die bei der Digitalisierung entstanden, andererseits orthographische Fehler, die beim ursprünglichen Satz entstanden sind, zu entdecken. Oh, goldene Zeiten des Bleisatzes!
In denen die Setzer mit allen Mitteln ihrer Kunst den Seitenspiegel ausnutzten, um die Textmengen unterzubringen und dies mitunter durch Umgehung der dudenschen Richtlinien.
Samstagnachmittag wurden die Druckfahnen gelesen und Imprimatur erteilt.
In den 2 Monaten des Sommers, in denen S.J. immer in seinem Haus in Kampen/Sylt weilte, oblag diese Aufgabe dem „Sitzredakteur“, der nichts anderes wollte, als sich schnellstens den Möglichkeiten sommerlicher Vergnügungen zu widmen. Und weiland diese Satzfehler geflissentlich zu übersehen. Andere Schreib-
weisen waren für uns ebenfalls Hürden, die wir nur mit zeitgemäßen Wörterbüchern lösen konnten. Der Reprint, der unsere Arbeitsgrund-
lage war, hatte auch seine Tücken. Aber die echte Herausforderung war die Umwandlung der Schriftartenfraktur in die Antiqua. 1905-1919 hatte die Schau-/Weltbühne verschiedene Frakturschnitte als Standardschrift. Also für die große Zielgruppe, die wir erreichen wollten,
nicht lesbar. Und das bedeutete ca. 19.000 digitalisierte Seiten mit Hilfe einer Software (AbbeyFinereader) umzuwandeln. Die Ergebnisse von 20 Probeseiten waren akzeptabel, aber nicht die Gesamtmenge. Hier wurden immer wieder
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