Die Zeitschrift
Nach einem Jahr der Vorbereitung war es soweit: Am 7. September 1905 legte Siegfried Jacobsohn die Nr.1 der „Schaubühne“ seinen Lesern vor. 1.381 Hefte sind es geworden, die fast ausnahmslos Woche für Woche erschienen, bis die Zeitschrift am 13. März 1933 verboten wurde. Dies allein ist bemerkenswert, wenn man die Zeiten bedenkt: I. Weltkrieg, die Inflation, die politischen und wirtschaftlichen Unruhen der zwanziger Jahre. Nicht viele Wochenschriften dieser Art haben in dieser Zeit länger als ein paar Wochen, Monate, wenige Jahre überlebt. Kaum eine aber hat so unverwechselbar ihr Gesicht behalten wie die „Schaubühne“ und spätere „Weltbühne“. Daran hat sich auch nach dem Namenswechsel 1918, der programmatisch die stärkere Öffnung der Zeitschrift für politische und wirtschaftliche Themen verkünden sollte, nichts geändert. Darum bilden beide Zeitschriften eine Einheit und sind in ihrer Betrachtung nicht zu trennen.
Eine ganze Reihe von Autoren hielt dem Blatt auch nach 1918 die Treue: Beweis für die Einheit der Konzeption. Dieses Fundament hatte über den Tod von Siegfried Jacobsohn (1926) hinaus Bestand. Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky führten die Zeitschrift bis 1933 in seinem Sinne weiter. Edith Jacobsohn - Ehefrau und Erbin - gründete im September 1932 die „Wiener Weltbühne“ mit William S. Schlamm als Chefredakteur. Aus ihr entstand später, unter der Regie von Hermann Budzislawski, die „Neue Weltbühne“, die von 1934-1939 in Prag und Paris erschien. 1946 wurde die „Weltbühne“ im damaligen Ostberlin erneut ins Leben gerufen, herausgegeben von Maud von Ossietzky und Hans Leonhard.