Die Mitarbeiter

Ca. 2.000 Mitarbeiter haben für die Weltbühne geschrieben. Es sind nicht nur die großen - heute noch bekannten Namen - es sind auch der unbekannte Rabbiner, der von grauenhaften Judenprogromen in der Ukraine 1922 berichtet oder die Mutter von sechs Kindern, deren Vater wegen „kommunistischer Umtriebe“ im Zuchthaus sitzt und die sich aus wirtschaftlicher Not entschließt, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Erschütternde Dokumente, die genau so zur Weltbühne gehören, wie die großen Beiträge von Kurt Tucholsky, Hellmut von Gerlach oder Carl von Ossietzky.

Viele der Namen sind vergessen und doch waren sie zu ihrer Zeit weit über die Grenzen der Weltbühne hinaus bekannt. „Juden, Pazifisten, Liberale, Homosexuelle“, so sah „Herrn Göbelles“ (der Gauleiter Berlins Joseph Goebbels) wie ihn Kurt Tucholsky nannte, die Mitarbeiter der Weltbühne. Sie standen ganz obenauf bei den Verhaftungsorgien nach dem Reichstagsbrand.

Viele Mitarbeiter hatten die Zeichen der Zeit erkannt, wurden gewarnt, konnten fliehen und gingen in das Exil. Andere konnten nicht entkommen und endeten in den Vernichtungslagern oder schieden selber aus dem Leben. Nur wenige konnten in Deutschland überleben.

Die „Weltbühne“ ein jüdisches Blatt, das vielleicht noch „jüdische Interessen“ vertrat? Nein! Sie hatte nicht einmal einen besonders hohen Anteil von Mitarbeitern mit jüdischen Vorfahren. Ihre Autoren vertraten die Verfassung der Weimarer Republik, das einte sie im Kampf gegen die rechten und linken Feinde der ersten deutschen Republik.