Die Schaubühne

Das erste Heft, der zunächst ganz auf Theaterfragen spezialisierten Wochenschrift, die in Anspielung auf Friedrich Schillers Aufsatz "Die Schaubühne" als moralische Anstalt betrachtet, den Titel "Die Schaubühne" erhielt, erschien am 7. September 1905. Zu den wichtigsten Mitarbeitern gehörten Julius Bab, Willi Handl, Alfred Polgar, Lion Feuchtwanger (ab 1908), Herbert Ihering (ab 1909), Robert Breuer (ab 1911) und Kurt Tucholsky (ab 1913).
Von 1913 an öffnete Jacobsohn das „Blättchen“, wie er seine Zeitschrift gerne nannte, allmählich auch für politische Themen. Im April 1918 benannte er sie in "Die Weltbühne" um und entwickelte sie zu einem über Deutschland hinaus bekannten pazifistischen Forum der politischen Linken. Mit der Neuausrichtung änderte sich allmählich auch das Mitarbeiterprofil. Polgar und Tucholsky gehörten weiterhin zum engen Kreis der Autoren. Hinzu kamen u.a. der politische Publizist Kurt Hiller (ab 1915), der Nationalökonom Alfons Goldschmidt (ab 1917), der satirische Schriftsteller Hans Reimann (ab 1917), der Mitgründer der Deutschen Friedensgesellschaft Otto Lehmann-Rußbüldt (ab 1918), der sozialdemokratische Politiker Heinrich Ströbel (1919/20), der Kunstkritiker Adolf Behne (ab 1920), der Schriftsteller Walter Mehring (ab 1920), der Wirtschaftsjournalist Richard Lewinsohn (ab 1921), der Publizist Friedrich Sieburg (ab 1921) und der politische Redakteur Carl von Ossietzky (ab 1926).

Als Theaterkritiker war Jacobsohn Antipode von Alfred Kerr, anders als Kerr ein entschiedener Kritiker des Naturalismus und schätzte im Gegensatz zu ihm auch die Leistungen von Max Reinhardt als Theaterleiter und -regisseur weit höher ein als die von Otto Brahm. Reinhardts Hinwendung zu einem Arenatheater, die in Berlin in den Umbau des Zirkus Schumann zum 1919 eröffneten Großen Schauspielhaus mündete, hat er jedoch entschieden missbilligt. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte er große Hoffnungen in die Arbeit von Leopold Jessner als Intendant des Staatlichen Schauspielhauses in Berlin, registrierte auch aufmerksam die Inszenierungen von Ludwig Berger, Jürgen Fehling, Heinz Hilpert, Berthold Viertel und schließlich Erwin Piscator. Die von Jacobsohn neben den Klassikern, hier vor allem William Shakespeares, geschätzten und geförderten Autoren waren in den ersten Jahren unter anderen Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler. Die Hoffnungen, die er auf die neoromantische Dramatik setzte, erfüllten sich für ihn jedoch nicht. Das war wahrscheinlich ein wesentlicher Grund für seine 1913 einsetzende allmähliche Politisierung. Die Bühnenwerke des Expressionismus beurteilte er – mit Ausnahme der Stücke von Georg Kaiser und Ernst Toller – außerordentlich kritisch: „In dieser ganzen Generation von Dichtern“, schrieb er in der Schaubühne vom 14. März 1918, „ist des eigentlichen Dichtertums zu wenig.“ In der Zeit der Weimarer Republik gehörte Jacobsohn zu den wenigen Theaterkritikern, die sofort das Potential von Autoren wie Bertolt Brecht, Arnolt Bronnen und Carl Zuckmayer erkannten, obwohl ihn – wie er Herbert Ihering 1920 gestand – längst Theatermüdigkeit plagte.